Sep 252014
 
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Lost-Place-Fotografie bringt immer einen besonderen Nervenkitzel und interessante Motive mit sich, dazu lassen sich gerade Spiele mit Licht und Schatten, so wie HDR-Aufnahmen oder vielleicht noch schöner, aber arbeitsintensiver Aufnahmen auf die ein Exposure-Blending angewendet wird, gut zum effektvollen Ablichten nutzen, da man meistens schöne Kontraste zwischen sehr hellen und sehr dunklen Stellen vorfindet. Im Normalfall handelt es sich um verlassenen Gebäude, wo Tageslicht hinein fällt, wo aber ansonsten für eigene Beleuchtung gesorgt werden muss, wodurch sehr starke Kontrastunterschiede existieren. Gerade Graffitis, die sich in vielen Lost-Places finden verleihen hier automatisch erstellten und sehr extremen HDR-Aufnahmen durch ihren Glanz und die grellen Farben etwas ganz Besonderes.

Außerdem lassen sich natürlich Lost-Places auch sehr gut für andere Genres der Fotografie nutzen, wo die Peoplefotografie im allgemeinen genannt werden muss, da Lost-Places hierfür immer eine sehr schöne Kulisse bieten, was ich auch schon einige male genutzt habe. Zusätzlich bieten sich Lost-Places natürlich förmlich für Lichtmalereien an, was auch der Bereich ist über den ich überhaupt in den Kontakt mit Lost-Places kam. In den letzten Wochen und Monaten habe ich allerdings verschiedene Lost-Places tagsüber und „alleine“ besucht, weshalb ich mich vermehrt mit den dabei gegebenen Möglichkeiten beschäftigt habe. Hintergrund war auch der Plan eines Vortrages über dieses Thema beim Fotostammtisch Hamburg, den ich Anfang September organisiert habe.

Beim Besuch von Lost Places sollte man einige grundlegende Dinge beachten, wo ich aber zugeben muss, dass ich mich auch selber schon darüber hinweg gesetzt habe. Trotzdem würde ich zum Besuch solcher Orte folgende Ratschläge geben:

  1. Eine nicht zu schwere Kamera-Ausrüstung, die auch bei schlechten Lichtverhältnissen gute Ergebnisse liefert ist zu empfehlen. Wegen des fehlendem Lichts und den besseren Möglichkeiten für HDR-Aufnahmen ist auch ein Stativ sinnvoll, was aber am besten stabil und nicht zu schwer sein sollte, da man es ja mit sich herumtragen und ggf. auch klettern muss.
  2. Zusätzlich zur Kameraausrüstung braucht man geeignete Lichtquellen. Ich persönlich bevorzuge eine Kombination aus Lampen (Stirnlampe, Taschenlampen), die sich zur „Bemalung“ dunkler Ecken aber auch dem Einfachen Ausleuchten um Gefahren vorzubeugen verwenden lassen, und dazu auch einen Systemblitz mit dem man manche Möglichkeiten hat, die Taschenlampen in dieser Form nicht bieten.
  3. Man sollte bei der Kleidung darauf achten, dass man so gut wie möglich geschützt ist, da man auch einmal durch zugewuchterte Bereiche und auf sehr unebenen Untergrund laufen muss, was auf jeden Fall feste Schuhe unumgänglich macht. Dazu verwende ich Kleidung die vor so manchem Kratzer schützt und aus ähnlichen Gründen auch eine entsprechende Kopfbedeckung.
  4. Da in Lost-Places immer verschiedene Gefahren lauern, die man ggf. auch nicht absehen kann, ist es vorteilhaft solche Orte nicht alleine, sondern mindestens zu zweit oder besser zu dritt aufzusuchen, damit man sich nach einem Unfall auch aufteilen kann, einer beim Verunglückten bleibt und einer Hilfe holen kann.
  5. Zusätzlich zu den Sicherheitsvorkehrungen sollte man sehen, ob man sich auf Privatgrundstücken oder frei zugänglichen Bereichen befindet. Bei Privatgrundstücken ist auf die rechtliche Situation zu achten, da man im Prinzip Hausfriedensbruch begeht. Aus dem Grunde ist es immer am besten sich im Vorfeld zu informieren und für entsprechende Genehmigungen zu sorgen, die auch immer wieder vergeben werden. Allerdings besteht auch die Gefahr einer Ablehung, was sicher keine gute Voraussetzung ist, wenn man solche Orte dann doch besucht und dabei kontrolliert wird. Eine andere Variante sind spezielle Touren, die beispielsweise für Lost-Places in der Umgebung von Berlin durch Go2Know (http://www.go2know.de) angeboten werden. Hier kann man sich auf den entsprechenden Geländen frei bewegen und der Veranstalter sorgt dafür, dass Genehmigungen zum Betreten und vor Allem auch zum Veröffentlichen der Bilder vorhanden und entsprechende Gebäude zugänglich sind. Dies ist besonders im Fall der Beelitz Heilstätten wichtig, da dort sehr stark kontrolliert wird und es für einen als Privatperson fast unmöglich ist an eine Genehmigung zu kommen.

Selbst wenn es in Norddeutschland nicht so einfach ist entsprechende Orte ausfindig zu machen, so habe ich in letzter Zeit ich einige LostPlaces besucht. Manchmal bin ich in der Beziehung auf die Bewohner von Nachbarländern neidisch, wo nicht jedes leerstehende Gebäude direkt abgerissen oder vehement bewacht wird.

Im Juni/Juli diesen Jahres, als ich in Spanien unterwegs war bin ich an so einer Zahl von Lost-Places vorbei gekommen, wie man sie sich hier nur wünschen würde, allerdings habe ich nur wenige Versuche gemacht den Orten einen Besuch abzustatten, da es einfach nicht ins Programm gepasst hat. Einzig und allein einen umfangreichen Besuch konnte ich der bekannten Ruinenstadt Belchite abstatten, die im Bürgerkrieg durch Franco zerstört und ein paar Meter entfernt wieder aufgebaut wurde, wo aber der zerstörte Teil als beeindruckendes Geschichtsdenkmal bewahrt wurde.

Ein paar Impressionen aus verschiedenen Lost-Places möchte ich hier zeigen, kann aber nichts dazu sagen, wie sie noch besuchbar oder ggf. sogar schon anders genutzt sind. Beispielsweise werden die Gebäude in Beelitz der Reihe nach einzeln verkauft und es ist abzusehen, dass bis Ende des Jahres dort gar keine Möglichkeiten mehr bestehen. Aber gerade das macht die Lost-Place-Fotografie interessant, da sich die Gebäude in einem sehr raschen Wechsel der Möglichkeiten befinden.