Dez 222013
 

Ich habe schon mehrfach gesehen, dass Olympus zum Verkaufsstart von neuen Kameras eine Serie von Fotoworkshops zum Testen der neuen Kameramodelle anbietet, die bundesweit von verschiedenen Workshopanbietern durchgeführt werden und als Kreativworkshops bezeichnet werden. Diese Workshops gehen ein paar Stunden und zeichnen sich durch einen sehr interessanten Preis aus, der sich für Abonnenten des Olympus-Newsletter nochmals halbiert.

Nach der Vorstellung der Olympus OM-D E-M1 wollte ich diese Kamera unbedingt testen, da sie wie mein zweites Kamera-System eine MfT-Kamera ist. In letzter Zeit habe ich auch mit der G-Serie von Panasonic gearbeitet, was ich für spezielle Situationen wegen der Kompaktheit und des geringen Gewichts meinen bewährten Sony-Alpha-Kameras gegenüber bevorzuge und wo ich die GX5 immer als eine sehr kompakte Kamera dabei habe, die ich bei einem Fotowettbewerb gewonnen habe und selbst bei Inlineskating-Veranstaltungen in der Gürteltasche Platz findet.

Als ich mir nun das bundesweite Programm von Olympus ansah fiel mir sofort ein Workshop ins Auge, der von der Frank Fischer Fotoschule in Hannover angeboten wurde und der das Thema Tanzfotografie hatte. Da die OM-D E-M1 auch einen sogenannten Live-Bulb-Modus besitzt und mein Interesse ja verstärkt in Richtung Langzeitbelichtungen geht, hatte ich den Eindruck, dass das das richtige Angebot für mich sein könnte und meldete mich dafür an einem Samstag Vormittag an.

Es war für mich, abgesehen von den Angeboten von JanLeonardo, die etwas Anderes sind, seit langem das erste Mal, dass ich selber wieder Workshopteilnehmer und nicht Dozent war und ich war auch gespannt darauf. Letztendlich war es aber auch kein Workshop im klassischen Sinne. Am Anfang stellte Frank Fischer die OM-D mit ein paar durch Olympus gestellten Folien mit ihren Möglichkeiten vor und danach gab es eher ein Modelsharing zum Thema Tanz im Studio als einen Workshop, wo Frank natürlich jedem, der Fragen hatte tatkräftig bei Seite stand, ich selber aber auch Tipps gab.

Der Workshop wurde in einem Studio in der Nähe der Hannover Messe durchgeführt wo 2 unterschiedliche Sets zur Verfügung standen. Ein klassisches Set mit einem schwarzen Papier-Hintergrund und ein zusätzliches mit grau meliertem Stoff-Hintergrund auf  einem Hintergrundständer, wie er auch  für den mobilen Einsatz verwendet werden kann. Der Hintergrund machte sich beim Fotografieren mit offener Blende richtig gut, weiter geschlossene Blenden sollte man aber vermeiden, um keine Falten des Stoffs auf den Bildergebnissen zu sehen.

Zum Shooting waren 2 attraktive Schwestern als Models vor Ort, die beide sowohl immer wieder als Model arbeiten als auch seit Ihrer frühen Jugend tanzen und dort auf verschiedene Stilrichtungen spezialisiert waren. Janine hatte es mehr mit klassischen Tänze und dort auch recht erfolgreich ist, Claudia mit modernen Rhythmen, wie beispielsweise auch Jazz oder Salsa. Beide standen bei jedem Set eine Hälfte des Shootings zur Verfügung, wobei Claudia auch Sprünge auf einem Trampolin machte, während bei Janine eher die Ausstrahlung und die Kleidung das Besondere waren.

Leider verletzte sich Claudia ganz am Ende des Workshops auf dem Stoffhintergrund, wo sie wegen der unebenen Fläche bei tanzenden Bewegungen falsch hintrat und sich ganz unglücklich das Knie verdrehte. Ich hoffe die Verletzung wirkte schlimmer als sie letztendlich war, da Claudia sich sicherheitshalber von einem Krankenwagen abholen lassen musste, um das Knie durchchecken zu lassen, da ein teilnehmender Arzt auch nichts wirklich erkennen konnte. Davor sind aber von beiden Models einige wirklich schöne Bilder entstanden.

Im Großen und Ganzen hat sich der Weg gelohnt. Das Handling der OM-D hat Spaß gemacht und die Kamera eröffnet einige Möglichkeiten, die man aber leider wegen der Bedingungen nicht wirklich ausprobieren konnte, so wie beispielsweise wegen der zu kurzen notwendigen Belichtungszeiten, der Live-Bulb.

Der Live-Bulb scheint aber eine interessante Sache zu sein, wo man zum Fotografieren im Bulb-Modus ein Zeitintervall einstellen kann und, wonach man auf dem Display das bisherige Ergebnis betrachten kann. Meine Frage, die für mich als Nachtfotografen interessant wäre, wie es mit der Bildqualität bei wirklichen Langzeitbelichtungen aussieht, konnte ich leider nicht beantworten. Diese Antwort wäre ein entscheidendes Merkmal, ob es sich lohnt einmal die Panasonic G6 durch eine Olympus OM-D zu ersetzen, da das Manko der G6 das Farbrauschen bei Langzeitbelichtungen ist.

Als Resümee des Tests würde ich sagen, dass die OM-D eine wirklich interessante Kamera mit vielen Möglichkeiten ist, allerdings zweifle ich stark, ob sich für meine Belange der Preis wirklich lohnt. Ich selber würde eher zu einer Sony A7 tendieren, die in der gleichen Preiskategorie liegt, aber einen Vollformatsensor anstatt nur eines MfT-Sensors mit einem Crop-Faktor von 2 besitzt. Nun gut ich sehe einige Vorteile der OM-D, was die Bildstabilisierung und das Handling angeht, diese wirken sich aber auf meine Belange nicht so aus. Daher ist wohl die Sony A7 die Konsequenz bei einer Neuanschaffung, da sie die einzige ist, die für die Nachtfotografie meiner A580 das Wasser reichen kann, sie von der Qualität her übertrifft, einen erschwinglichen Preis besitzt und keinen totalen Systemwechsel bedeutet. Von Größe, Gewicht und Stil gleichen sich die Kameras der beiden Hersteller aber gewaltig und sind halt „mächtige“ Systemkameras ohne Spiegel mit Vor- und Nachteilen.

Die Sony A7 ist die kleinere der beiden neuen Sony-Brüder, die nach Leica die ersten spiegellosen Kameras mit Vollformatsensor sind. Der größere Bruder, die A7R zeichnet sich durch einen fehlenden Tiefpassfilter und einen ganz neuen 36MPix-Sensor im Vergleich zum alt bewährten 24MPix-Sensor der A7 aus. Der fehlende Tiefpassfilter der A7R führt sicher zu einem stärkeren Moire-Effekt, außerdem ist sie was den Autofokus und die Serienbildgeschwindigkeit angeht der A7 wohl unterlegen und preislich nicht ganz so interessant, auch wenn sie immer noch ein ganzes Stück unter einer A99 liegt.

Bei der A7R muss sicher noch ein viel größeres Augenmerk als bei der A7 auf die verwendeten Optiken gelegt werden und das Adaptieren von Altoptiken könnte schwieriger sein, was an den beiden Kameras eigentlich durch das Auflagemaß des Sony E-Bayonetts das Interessante ist. Dazu gibt es einen tollen AF-Adapter, mit dem sich alle Objektive des A-Bayonetts verwenden lassen und teilweise von der Fokussierung her besser und zuverlässiger funktionieren als am Sony/Minolta A-System, zumal man auch ein gutes Fokuspeaking für manuelle Fokussierung hat. Das Alles zusammen hat mich schon auf dem Oktoberfest bei Calumet so begeistert, wo ich die Sony A7 das erste Mal in der Hand hatte.

Meine Zukunft für die Nachtfotografie wird daher sicher eine A7 mit qualitativ hochwertigen und manuell einstellbaren Objektiven sein, trotzdem werde ich für „normale“  Personenaufnahmen nach wie vor bei meiner A850 bleiben, wo man einfach “mehr in der Hand hat“, woran man sich in den Jahren gewöhnt hat und was teilweise auch von potentiellen Kunden erwartet wird.